Norwegen will ausländische Online Casinos mit Netzsperren blockieren

Die neuen Regeln richten sich gegen Anbieter, die zwar über eine internationale Lizenz aus einem anderen Land verfügen, nicht aber über eine norwegische. Sollte den Forderungen stattgegeben werden, könnten diese schon nächsten Monat umgesetzt werden.

Netzsperren, Zahlungsüberwachungen und Werbebeschränkungen

Die Beteiligten an dem Vorstoß sind die Arbeiderpartiet, die norwegischen Sozialdemokraten, die Christdemokraten, die Sosialistisk Venstreparti, eine sozialistisch-links orientierte Partei, und die Senterpartiet, eine Partei der Mitte. Konkret fordern sie vom Parlament in Oslo die folgenden Neuregelungen:

  • Konsequente Netzsperren für IP-Adressen ausländischer Glücksspielanbieter im Internet
  • Die norwegische Aufsichtsbehörde, Lotteri- og stiftelsestilsynet, soll Transaktionen im Zusammenhang mit ausländischen Betreibern überwachen und aufzeichnen
  • Neue Werbebeschränkungen mit Fokus auf Medientreibende, die auf ihren Kanälen nicht lizenzierte Webseiten bewerben
  • Die Lotteri- og stiftelsestilsynet soll bei Verstößen gegen das Glücksspiel- und Finanzgesetz Strafzahlungen verhängen dürfen

In Norwegen gelten bereits Regeln zur Überwachung und Blockade von Zahlungen an ausländische Online Casinos. Dennoch werden jährlich große Summen registriert. Laut Angaben der Aufsichtsbehörde sollen in Norwegen täglich rund 40.000 Kronen den Besitzer wechseln.
Um dieser Entwicklung beizukommen, fordert die Politik nun, der Behörde bessere Instrumente an die Hand zu geben. So sollen beispielsweise Konten nicht mehr per Nummer, sondern auf Basis ihres Inhabers gesperrt werden können. Damit soll verhindert werden, dass illegale Marktteilnehmer einfach die Kontonummer wechseln.

Liberale fordern Lizenzierungssystem

Gegenspieler der Initiative ist die liberale Venstre Partei des Landes. Sollten Regierung und Parlament dem aktuellen Antrag zustimmen, so würden die Liberalen mit ihrem angestrebten Lizenzierungssystem für ausländische Glücksspielunternehmen scheitern.
Ähnlich verhält es sich auch in Deutschland, wo die FDP, teilweise zusammen mit der CDU, alleine auf weiter Flur für eine offizielle Lizenzierung und damit bessere Kontrolle von Online Anbietern kämpft.
Mit dem Vorstoß der aktuellen Koalition reiht sich Norwegen ein in die lange Liste der Länder, die in einem Anflug von Protektionismus härter gegen ausländische Online Glücksspielunternehmen auf dem heimischen Markt vorgehen wollen.

Rückendeckung für Monopolist Norsk Tipping

Der Kampf gegen die Konkurrenz aus dem Ausland dient in Norwegen unter anderem der Stärkung des staatlichen Anbieters Norsk Tipping. Norsk Tipping verfügt über ein Angebot bestehend aus Lotterieprodukten, Sportwetten und anderen Spielen, darunter Keno, Rubbelllose und ein TV-Game.
Alle Spiele werden dabei auch online und mobil angeboten. Das Unternehmen gehört dem Staat Norwegen.
Die norwegischen Politiker argumentieren damit, dass Norsk Tipping dem Gemeinwohl dient. Der Anbieter wurde zu dem Zweck gegründet, erwirtschafteten Gewinn an norwegische Sport- und Kultureinrichtungen auszuschütten. Dieser Rückfluss an Geldern zu gemeinnützigen Zwecken ist bei nicht regulierten Online Anbietern nicht gegeben.

Norwegen folgt Schweiz, Österreich und Dänemark

Bereits seit einiger Zeit herrscht in einigen Ländern Europas eine restriktive Tendenz hinsichtlich Wirtschaft und Glücksspiel. So will die Schweiz mit den neuen Geldspielgesetz Netzsperren für nicht in der Schweiz niedergelassene Online Anbieter durchsetzen.
In Österreich verhält es sich ähnlich. Und auch in Dänemark dürfen nicht im Land lizenzierte Anbieter bald gesperrt werden.
Deutschland hinkt in diesem Bereich sogar noch wesentlich mehr hinterher. Während die meisten anderen europäischen Länder zumindest ihre eigenen Lizenzen vergeben und Bewerbern so einen kontrollierten und regulierten Marktzugang ermöglichen, sperrt Deutschland sich komplett gegen das Thema Online Glücksspiel. Selbst im landbasierten Bereich herrscht eine sehr kritische Haltung in Teilen der Politik und staatlich gesteuerten Landeslotterien.