«Ich verzockte mehrere 10’000 Franken online»

Bei Christian* (34) ging alles ganz schnell. In einem Monat verspielte er mehrere 10’000 Franken. Nun sind praktisch seine ganzen Ersparnisse weg. Christian verbrachte früher täglich mehrere Stunden auf Online-Geldspielseiten wie Pokerstars oder Betathome, spielte Poker und Black Jack.

«Ich war schnell abhängig und habe die Realität verloren», sagt Christian rückblickend. Durch die Spielsucht sei sein Leben stark beeinflusst worden. «Es ging nur noch um die Frage, wie komme ich wieder zu Geld.»

Handy, Laptop, Bankkonto weggenommen

Er isolierte sich immer mehr. Doch dank seinem Umfeld, das auf seine Sucht aufmerksam wurde, zog Christian die Reissleine. Hilfe fand er bei den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) in Basel, die als schweizweit einzige Institution über ein stationäres Angebot für Glücksspiel- und Internetsüchtige verfügen.

Mit Christians Einverständnis wurde ihm in einem ersten Schritt alles weggenommen: Sämtliche Laptops, Mobiltelefone, zeitweise wurde ihm der Zugang zu seinem eigenen Bankkonto gesperrt. «Das war eine sinnvolle und notwendige Massnahme, um mein Spielverhalten zu kontrollieren.»

«Man verliert nur»

Zurzeit ist Christian krankgeschrieben. Seit zwei Monaten absolviert er eine psychotherapeutische Behandlung, Gruppen- und Einzelgespräche sind Teil davon. «Es geht darum, mein Hirn neu zu konditionieren.» Andere Teile seines Lebens sollen wieder in den Vordergrund rücken, die Glücksspielwelt vergessen machen.

«Es ist der Reiz, zu gewinnen, die sofortige Bestätigung für mein Handeln», sagt Christian über die Faszination des Geldspieles. «Doch es passiert das Gegenteil: Man verliert nur.»

Spielsüchtige online sperren

Dass Online-Casinos die ganze Zeit erreichbar sind, habe seine Sucht befeuert, meint Christian. Zu seinem eigenen Schutz und dem Schutz von anderen Spielsüchtigen befürwortet er deshalb Netzsperren, wie sie das neue Geldspielgesetz vorsieht. «Der Aufwand zur Umgehung einer Sperre hätte mich womöglich schon davon abgehalten weiterzuspielen.»

Christian befürwortet das neue Gesetz noch aus einem weiteren Grund: «Durch die Überprüfung der Identität hätten die Casinos die Möglichkeit, Spielsüchtige auch online zu sperren – das wäre ein grosser Vorteil.»

*Name geändert